Es ist nun über ein Jahrzehnt her, als die Akathisie aufhörte und ich leide immer noch an den Folgen, dieser für mich sehr traumatisierendern Erfahrung.

 

Diese Nebenwirkung wurde bei mir im Rahmen einer Behandlung mit Haldol das erste Mal ausgelöst. 

Es war der absoluter Horror. , ich war zu der Zeit noch in der Lage, es zu erkennen und mich dagegen zu wehren. Ich konnte klar sagen, dass diese Unruhe durch Medikament kommt. Nach mehreren Wochen elendiger Qual, wurde Haldol ausgeschlichen und der Spuk endete damit.

 

Dann trat die Akathisie erneut auf, und es hielt Monate lang an. Ich war voller Suizidgedanken und Verzweiflung und absoluter Hilflosigkeit. Verletzte mich schwer und trank immer wieder viel Alkohol. Aber es half nicht.

Ich wusste nicht, was es ausgelöst hat und glaubte den Fachleuten, dass es an mir lag. Sie erkannten es schlichtweg nicht. Es wurde als Triamafolgestörung abgetan.

Doch die Akathisie hörte wieder auf, ich wurde auf ein Depot -Neuroleptikum auf die Höchstdosis eingestellt und dann begannen die schlimmsten und furchtbarsten Jahre meines Lebens.

In mir brannte ein Feuer, ich konnte mich nicht mehr wehren, weil alles durch das Neuroleptikuma unterdrückt wurde. Mein Wille war praktisch tot medikamentiert worden. Ich wurde chemisch regelrecht gefoltert. Und nein, das ist keine Übertreibung.

Ich kam schlussendlich aufgrund dieser Nebenwirkung in ein Wohnheim.

Ich unternahm mehrere Suizidversuche, verletzte mich massiv selbst. Nichts half. Keine Drogen, kein Alkohol, keine Selbstschädigung, keine Beruhigungsmittel. Nichts. Ich war dem ausgeliefert und niemand erkannte es. Ich fühlte mich unendlich allein und wollte nur noch ins Koma gesetzt werden oder sterben. Viele Betroffene berichten ähnliches.

 

Durch Hilfe meiner damaligen Therapeutin, schlich ich das Depot mehr oder weniger aus. Ein Dreiviertel Jahr später, bekam ich wieder eine Psychose, aber die Akathisie ging weg. Stattdessen setzte eine hohe permanente Anspannung ein, die auch nicht beeinflussbar war.

 

Lange neun Jahre hielt die Anspannung an, zwischendurch wechselte ich das Medikament und die hohe Anspannung wurde etwas schwächer. Es folgten immer wieder Suizidversuche und zahlreiche Selbstverletzungen, weil ich es schlichtweg nicht aushielt. Aber ich musste es aushalten.

 

Dann wechselte ich erneut das Medikament.  Und endlich fand mein Nervensystem immer mehr in die Ruhe und die Anspannung wich. Tiefenentspannt kann ich immernoch nicht sein aber ich war unendlich erleichtert. Und unendlich wütend und traurig, schwer traumatisiert durch die etlichen Jahre des Überlebenskampfes.

Ich habe 95% aller auf dem deutschen Markt gegebenen hochpotenten Neuroleptika durch, jedes mit zwei Ausnahmen, löste diese Qualen aus.

Ich bin ein anderer Mensch geworden. Vertrauen in Ärzte, Medikamente, ja das Urvertrauen und Sicherheit in mir ist mir genommen worden. Mein Nervensystem und ich brauchen nun viel Zeit um Stück für Stück wieder ins Vertrauen zu kommen und heiler zu werden.

Ich kann mich immernoch nicht geborgen oder wohl fühlen. Fühle keine Freude oder Gelassenheit. Kein Frieden in mir ect...

Aber ich habe es überlebt und es wird Schritt für Schritt besser. Ich kann wieder Filme anschauen, still stehen, hier schreiben, es sind Dinge die für andere selbstverständlich sind, die ich mir hart zurück erkämpfen musste, die mein Leben immer mehr lebenswert machen.

Inzwischen habe ich auch das letzte hochpotentes Antipsychotika ausgeschlichen. Freude klopft wieder an und Verbundenheit zu meiner Umwelt. Ich fühle mich wieder viel lebendiger und strahle dies auch aus.

Als ich einmal zwischendurch die geringste Dosis nahm, kamen sofort wieder Suizidgedanken, Selbstverletzungsdruck und Drang Alkohol zu konsumieren. Mein vegetatives Nervensystem weigert sich, je wieder so etwas zugeführt zu bekommen...

Ich muss sehr auf mich achten, weil ich z.b schnell in die Reizüberflutung gerate. Aber ich bin auf einem guten Weg.

Meine wichtigste Botschaft an andere Betroffene:

Gebt nicht auf! Holt euch Hilfe, wehrt euch. Zweifelt nicht an eurer eigenen Wahrnehmung.

Und kämpft jeden Tag, jede Sekunde. Es lohnt sich. Es wird wieder besser! Die Akathisie verschwindet wieder. Es braucht manchmal lange Zeit.

Haltet durch, ihr seid nicht allein mit dem Grauen.

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Was die jahrelange Akathisie/Hohe Anspannung für Folgen bei mir nach sich zog:

 

Was geschieht mit einem Menschen, wenn das Urvertrauen durch jene zerstört wird, die eigentlich Schutz bieten sollten?  Was passiert, wenn der Körper durch traumatische Erfahrungen und chemische Prozesse in einen Zustand versetzt wird, für den es in der Alltagssprache kaum Worte gibt?

Ich schreibe hier über Erfahrungen, die oft hinter einer Maske der Normalität verborgen bleiben. Ich spreche über komplexe Traumatisierung und über die neurologische Hölle der Akathisie – einen Zustand extremer innerer Qual, der oft als bloße 'Unruhe' missverstanden wird, aber in Wahrheit eine Form der körperlichen Folter darstellt.

Meine Geschichte ist geprägt von dem Schweigen eines Umfelds, das nicht verstehen kann, was es in mir angerichtet hat. Und von der Zerstörung meiner Heimat in der Welt. Doch indem ich diese Zustände benenne – die ständige Überreizung, die Erschöpfung, den Verlust der Freude und den Kampf gegen die Abhängigkeit von Medikamenten wie Tavor –, breche ich das Schweigen.

 

Dies ist mein Raum für Anerkennung. Für die Validierung eines Schmerzes, der real ist, auch wenn andere ihn verdrängen. Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich zuvor war. Ich bin unter anderem das Ergebnis dessen, was mir angetan wurde. Angefangen als Baby bis fast Anfang meiner 40er.

 

Verlust der natürlichen Müdigkeit:

Seit über einem Jahrzehnt ist mein Körper unfähig, natürliche Müdigkeit zu empfinden. Das System ist in einer permanenten Alarmbereitschaft eingefroren. Schlaf ist kein Erholungsprozess mehr, sondern ein erzwungener Zustand oder ein chemisches „Abschalten“. Die natürliche Rhythmik des Lebens ist zerstört.

 

Chronische muskuläre Panzerung:

Die massiven Nackenverspannungen sind keine „Verspannung durch falsches Sitzen“. Es ist die physische Manifestation eines Körpers, der seit 12 Jahren auf einen Schlag wartet, der längst passiert ist. Ein Schutzpanzer, den man nicht einfach „lockerlassen“ kann.

 

Sensorische Überreizung & Erschöpfung:

Mein Nervensystem hat keinen Filter mehr. Jeder Reiz – Geräusche, Licht, soziale Erwartungen – trifft ungebremst auf ein erschöpftes System. Die Folge ist eine totale Erschöpfung, die jedoch paradoxerweise nicht in Schlaf mündet.

 

Die Entfremdung vom eigenen Körper:

Wenn der Körper zum Ort der Qual wird (Akathisie), kappt die Psyche die Verbindung. Das Ergebnis ist ein Gefühl der Heimatlosigkeit im eigenen Leib. Man „bewohnt“ sich selbst nicht mehr, man verwaltet nur noch das Überleben.

Das nicht wahrnehmen können positiver Gefühle:

 Ich kann immer noch keine Gefühle wie, Freude, Geborgenheit, Wohlbefinden fühlen. Oder Gemütlichkeit, zb wie schön es sein kann im Bett zu liegen und sich komplett zu entspannen. Mir fehlt innere/äußere Sicherheit, bzw ich kann sie nicht wahrnehmen. Fühle mich oft bedroht, bin sehr misstrauisch geworden gegenüber dem Psychiatriesystem. Auch jegliche Art von Reizen, werden mir sehr schnell zuviel.

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